Case Management verbindet professionelle Koordination mit einem vertieften Verständnis der Person und ihrer Lebenssituation. Ziel ist es, komplexe Unterstützungsprozesse so zu gestalten, dass Hilfen nicht nur organisiert, sondern von den betroffenen Menschen auch als sinnvoll, stimmig und hilfreich erlebt werden.
Existenzielles Case Management versteht den Menschen als Person mit Würde, Freiheit und Verantwortung – unabhängig von seiner aktuellen Lebenslage. Es verbindet systematisches Fallmanagement mit einer personzentrierten und dialogischen Arbeitsweise. Eine differenzierte Menschenkenntnis bildet dabei die Grundlage professionellen Handelns. Die Existenzanalyse bietet hierfür ein fundiertes und praxisnahes Verständnis.
Charakteristisch sind die phänomenologische Grundhaltung, die dialogische Arbeitsweise sowie die Orientierung an den vier Grundmotivationen als grundlegender Motivationsstruktur des Menschen. Im Mittelpunkt stehen Sinn, Entscheidung, Handlung und die schrittweise Übernahme von Eigenverantwortung.
Darüber hinaus stellt die Existenzanalyse einen reichhaltigen Fundus an Konzepten und bewährten Methoden für die praktische Arbeit im Case Management zur Verfügung. Besonders hilfreich sind das Verständnis der Coping-Reaktionen, die Modelle zur Willensbildung und Entscheidungsfindung, die existenzielle Persönlichkeitstypologie sowie die Sinn-, Werte- und Emotionslehre.
Als originär psychotherapeutischer Ansatz verfügt die Existenzanalyse zudem über ein differenziertes Verständnis psychischer Belastungen und Störungsbilder. Dieses Wissen erweitert den professionellen Blick auf komplexe Lebenssituationen und ergänzt die Praxis des Case Managements auf wertvolle Weise.
Schwerpunkte existenziellen Case Managements
Die persönliche Lebenssituation und den gesamten Kontext differenziert erfassen
Ressourcen erkennen und konsequent aktivieren
Unterstützungsprozesse nachhaltig und integriert gestalten
Transparente und nachvollziehbare Prozesse entwickeln
Sinn, persönliche Perspektive und Stimmigkeit berücksichtigen
Eigenverantwortung und Entscheidungsfähigkeit stärken
Tragfähige Arbeitsbeziehungen als Grundlage der Zusammenarbeit gestalten
Einstellungen und innere Haltungen bewusst reflektieren
Würde und Selbstbestimmung konsequent achten
Mit Angst, Aggression, depressiven Gefühlen und anderen starken Emotionen professionell umgehen
Blockaden, Passivität und Rückzug verstehen und bearbeiten
Typische Themenfelder mit existenzieller Perspektive
Leid, Belastung und Schicksal
Abhängigkeit, Grenzen und Ohnmacht
Mit dem Unabänderlichem umgehen
Beziehung, Zugehörigkeit und Isolation
Identität und Selbstwert
Krisen und Konfliktsituationen
Biographische Brüche und Übergänge
Begrenztheit annehmen und Gestaltungsmöglichkeiten entdecken
Misserfolg und Scheitern verarbeiten
Sinn, Hoffnung, Zuversicht und Perspektiven entwickeln
Die existenzielle Perspektive verbindet strukturiertes Case Management mit einem tiefen Verständnis des Menschen. Sie unterstützt Fachpersonen dabei, auch in komplexen Situationen den Menschen hinter dem Fall im Blick zu behalten. So entstehen Unterstützungsprozesse, die fachlich koordiniert, menschlich zugewandt und langfristig wirksam sind. Existenzielles Case Management verbindet konsequent die Systemorientierung mit der Personorientierung.