Zum Hauptinhalt springen

Medizin und Pflege

Medizin und Pflege

Existenzielle Medizin und Pflege erweitern die naturwissenschaftliche Sicht des Menschen um seine psychologische und existenzielle Dimension. Sie verstehen Krankheit nicht nur als biologisches Geschehen, sondern als Erfahrung, die den ganzen Menschen betrifft – körperlich, psychisch, sozial und existenziell. Krankheit steht häufig auch im Zusammenhang mit dem persönlichen Lebenskontext und stellt Menschen vor grundlegende Fragen ihres Lebens.

Ein wesentlicher Teil medizinischer und pflegerischer Arbeit besteht in Gesprächsführung, Beziehungsgestaltung und Kommunikation. Die Qualität der Beziehung zwischen Behandelnden und Patientinnen bzw. Patienten gehört zu den wichtigsten Wirkfaktoren einer gelingenden Behandlung. Dafür ist eine differenzierte Menschenkenntnis unverzichtbar.

Die Existenzanalyse bietet hierfür eine fundierte Grundlage. Mit ihren Konzepten unterstützt sie ein vertieftes Verständnis von Krankheit, Erleben und Krankheitsverarbeitung und stärkt eine Medizin und Pflege, die den Menschen in seiner Ganzheit ernst nimmt. Sie verbindet medizinische Fachlichkeit mit Menschlichkeit.

Charakteristisch sind die phänomenologische Grundhaltung, die dialogische Arbeitsweise sowie Achtsamkeit, Empathie und die Orientierung an den vier Grundmotivationen als grundlegender Motivationsstruktur des Menschen. Besonders hilfreich sind das Verständnis der Coping-Reaktionen, die existenzielle Persönlichkeitstypologie sowie die Sinn-, Werte- und Emotionslehre.

Als originär psychotherapeutischer Ansatz verfügt die Existenzanalyse zudem über ein differenziertes Verständnis psychischer Belastungen und Störungsbilder. Dieses Wissen erweitert den professionellen Blick auf komplexe Krankheits- und Lebenssituationen und ergänzt die medizinische und pflegerische Praxis auf wertvolle Weise.

Gerade in Medizin und Pflege ist auch die Reflexion der eigenen professionellen Rolle von grosser Bedeutung. Fragen der Haltung, der Nähe und Distanz, des Umgangs mit Belastung sowie ethische Fragestellungen gehören zu einer professionellen und menschlichen Berufsausübung.

Existenzielle Themenfelder in Medizin und Pflege

  • Die Beziehung zwischen Behandelnden und Patientinnen bzw. Patienten bewusst gestalten

  • Sensibler Umgang mit Angst, Leid, Kontrollverlust und Endlichkeit

  • Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Vertrauen

  • Leid verstehen und einen tragfähigen Umgang damit entwickeln

  • Sinn- und Lebensfragen in den Behandlungsprozess einbeziehen

  • Psychosomatische Zusammenhänge berücksichtigen

  • Verständliche Aufklärung und gemeinsame Entscheidungsfindung

  • Autonomie, Selbstbestimmung und Mitverantwortung der Patientinnen und Patienten stärken

  • Innere Zustimmung zu Behandlung und Therapie fördern

  • Menschen bei der Krankheitsverarbeitung begleiten

  • Würde und respektvolle Begegnung in jeder Situation wahren

Weitere Themen mit existenzieller Perspektive

  • Ohnmacht, Passivität, Rückzug, Hilflosigkeit und Opferhaltung verstehen

  • Selbstsorge und Eigenverantwortung fördern

  • Die Bedeutung von Krankheit im Lebenszusammenhang reflektieren

  • Neue Lebensperspektiven trotz Krankheit entwickeln

  • Sterben und Tod achtsam begleiten

  • Palliative Situationen mit Sinn, Würde und Abschied gestalten

  • Ethische Fragestellungen verantwortungsvoll reflektieren

Empfohlene Seminare