Metaphern und Sinnbilder
Metaphern und Sinnbilder des existenziellen Ansatzes
Das Wesen des existenziellen Ansatzes lässt sich nicht nur mit Begriffen, sondern auch mit Bildern beschreiben. Metaphern machen sichtbar, was sich oft nur schwer erklären lässt. Die folgenden Sinnbilder verdeutlichen zentrale Aspekte der existenziellen Haltung und eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf das Menschsein.
1. Der Vogel
Der Vogel ist ein Sinnbild der Freiheit. Existenzielle Freiheit bedeutet, trotz aller äusseren und inneren Bedingungen Stellung beziehen zu können. Auch wenn wir geprägt und begrenzt sind, besitzen wir die Fähigkeit, uns zu unseren Bedingungen zu verhalten, bewusst zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen. In vielen Kulturen steht der Vogel zugleich als Symbol der Seele. Oft scheint sie wie in einem Käfig gefangen und trägt doch die Sehnsucht nach Freiheit, Lebendigkeit und Sinn in sich. In den Upanishaden findet sich das Bild des Herzens als Wohnstätte des innersten Selbst. Der Vogel kann in diesem Zusammenhang als Sinnbild verstanden werden, das ausfliegt und immer wieder zu seinem Ursprung zurückkehrt.
2. Der Berg
Das Wort Existenz stammt vom lateinischen existere und bedeutet «hervortreten» oder «sich herausheben». Existieren heisst, aus der Verstrickung in innere und äussere Dynamiken herauszutreten, Abstand zu gewinnen und den Blick zu weiten. Die existenzielle Arbeitsweise lässt sich deshalb mit einer Bergbesteigung vergleichen. Mit zunehmender Höhe entstehen Übersicht, Weitsicht und Orientierung. Wer den Überblick gewinnt, erkennt Zusammenhänge klarer, entdeckt neue Perspektiven und kann stimmige Entscheidungen treffen.
3. Sonne und Licht
Licht schafft Klarheit. Es macht sichtbar, was zuvor verborgen war, und ermöglicht Orientierung. Auch die existenzielle Arbeitsweise zielt auf Klärung. Sie hilft, Situationen besser zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen und das Wesentliche zu erfassen. Wenn uns etwas einleuchtet, erkennen wir seine Bedeutung. Sinn wirkt wie Licht: Er schenkt Orientierung, macht Werte sichtbar, gibt Wärme und weist den Weg in die Zukunft.
4. Die Schatzkiste
Der existenzielle Ansatz gleicht einer Schatzkiste. Er eröffnet einen reichen Fundus aus Existenzphilosophie, Psychologie und unterschiedlichen Traditionen existenziellen Denkens. Ergänzende Perspektiven aus weiteren philosophischen Richtungen sowie den Weisheitstraditionen des Westens und Ostens können diesen Fundus bereichern. Differenzierte Konzepte, lebenspraktische Erfahrungen und vielfältige Methoden bilden einen wertvollen Schatz für die Begleitung von Menschen, Teams und Organisationen. Wer diese Schatzkiste öffnet, entdeckt immer wieder neue Perspektiven, Einsichten und Möglichkeiten.
5. Salz und Hefe
Der existenzielle Ansatz wirkt wie Salz und Hefe. Er ist nicht nur eine Sammlung von Methoden, sondern vor allem eine Haltung, die der Begegnung Tiefe verleiht und Entwicklung ermöglicht. Salz steht für das Wesentliche. Es bleibt im Hintergrund und ist doch unverzichtbar. So wirkt auch die existenzielle Haltung: unaufdringlich, aber prägend. Sie schafft jene Qualität der Begegnung, in der Menschen sich verstanden fühlen und Wesentliches sichtbar werden kann. Hefe steht für Entfaltung. Sie bringt etwas zum Aufgehen, das bereits angelegt ist. Die existenzielle Arbeitsweise versteht sich in diesem Sinn als Begleitung von Entwicklungsprozessen. Sie klärt, stärkt und eröffnet den Raum, damit sich Leben von innen heraus entfalten kann.